Pfadfindergeschichte

Der Gründer, Lord Baden-Powell of Gilwell

Kindheit und Jugendzeit

Robert Baden-Powell wurde am 22.2.1857 in London geboren. Durch den frühen Tod seines Vaters, ein Professor an der Oxford Universität, wurde B.P. – wie er später  genannt wurde – stark von seinem Großvater geprägt, der ihn schon früh in den nahegelegenen Hyde Park mit nahm, wo der junge B.P. seine Liebe zur Natur entdeckte. Oft stöberte B.P. allein oder mit Freunden in einem verwilderten Park in der Nachbarschaft herum und beobachtete die dort lebenden Tiere. Nach dem Tod seines Großvaters entdeckte B.P. auf Streifzügen durch die Stadt Armenviertel; aus dieser Erfahrung leitete er später das Prinzip der Kluft ab – die Abschaffung äußerer Unterschiede.

Erfahrungen beim Militär

Da B.P. ein mittelmäßiger Schüler war und aber trotzdem die Welt sehen wollte, entschied er sich für eine militärische Laufbahn. Er bestand das Aufnahmeexamen mit Bravour und wurde 1876 nach Britisch-Indien, damalige Kolonie der englischen Krone, versetzt.

Im Gegensatz zu den meisten anderen englischen Soldaten suchte B.P. den Kontakt zur indischen Bevölkerung und brachte englische und indische Jugendliche zusammen. Während der Zeit in Indien entwickelte B.P. für das Kundschaften (Scouting) das Prinzip der kleinen Gruppe, das später in weiten Teilen des Militärs als auch in der Pfadfinderbewegung übernommen wurde. Eine nächste wichtige Station in seinem Leben war die kleine südafrikanische Stadt Mafeking, die er trotz erdrückender Unterzahl durch geschicktes Taktieren gegen die Belagerung durch 9000 Buren verteidigte. Während dieser Zeit bemerkte B.P., dass Jugendliche durchaus in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen. Die Cleverness, mit der B.P. die Stadt verteidigte, wurde in Englands Zeitungen gefeiert; B.P. wurde zum Volkshelden. Sein Buch „Aids for Scouting“ (Hilfen fürs Kundschaften), das er eigentlich für Soldaten geschrieben hatte, wurde schnell zum Lieblingsbuch vieler Jugendlicher, die die darin beschriebenen Techniken nachahmten. Da er es nicht gern sah, dass Jugendliche Militärmethoden praktizierten, ließ er sich 1907 nach über 30 Jahren Laufbahn beim Militär freistellen, um sich ganz der Jugendarbeit zu widmen.

B.P. erhielt für seine Verdienste verschiedenste Auszeichnungen; im Jahr 1919 wurde er zum „Lord of Gilwell“ geadelt. Seinen Lebensabend verbrachte er in Kenia, wo er 1941 starb und auch begraben liegt.

Entstehung der weltweiten Pfadfinderbewegung

Die Anfänge in England und die weltweite Ausbreitung

Nach einem Lager mit 22 Jungen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten auf Brownsea Island, schrieb B.P. 1908 sein erstes Pfadfinderbuch „Scouting for Boys“ (Kundschaften für Jungen). In kürzester Zeit gründeten sich überall auf der Welt Pfadfindergruppen; bereits zwei Jahre nach dem ersten Pfadfinderlager auf Brownsea fand im Jahre 1909 ein Pfadfindertreffen im Londoner Kristallpalast mit über 10 000 Pfadfindern und zu B.P.s Erstaunen auch Pfadfinderinnen statt. 1916 übernahm B.P.s Frau Olave St. Claire die Führung der englischen Pfadfinderinnen; 1931 übernahm sie die Führung der Weltpfadfinderinnenbewegung.

Im Jahre 1920 wurde das erste Jamboree (Weltpfadfinderzeltlager) in London mit über 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt; Jamborees finden seitdem mit wenigen Unterbrechungen alle vier Jahre in einem anderen Land statt.

Pfadfindertum heute

Die Pfadfinderei ist die größte Jugendbewegung weltweit. Heute gibt es ca. 41 Mio. Pfadfinderinnen und Pfadfinder in fast allen Ländern der Welt. Die größten internationalen Dachverbände heißen „World Organization of the Scout Movement“ (WOSM) mit  Zentrale in Genf und „World Association of Girl Guides and Girl Scouts“ (WAGGGS) mit Sitz in London; das weltweite Zeichen des Pfadfindertums sind Lilie und Kleeblatt.

Entwicklung der deutschen Pfadfinderbewegung

Die Pfadfinderbewegung in Deutschland hat ihren Ursprung in der Übersetzung des Buches „Scouting for Boys“ durch Dr. Alexander Lion im Jahr 1909. Es bildeten sich sehr schnell viele Pfadfindergruppen, die sich in Organisationsstruktur und inhaltlicher Ausrichtung aber stark unterschieden. Der Entwicklung der Pfadfinderei in Deutschland ist eigen, dass durch eine Vermischung der pfadfinderischen Grundlagen aus England mit der Wandervögel-Bewegung, die ihren Ursprung in Deutschland hat, eine Vielzahl an kleineren und größeren Bünden entstand, welche sich wiederum zusammenschlossen und auflösten. Diese durchmischte Jugendbewegung zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und Beginn der 1930er Jahre wird als „bündische Jugend“ bezeichnet.

Während des Nationalsozialismus war wie jede nicht-staatliche Jugendarbeit auch die Pfadfinderei verboten; bis dahin bestehende Bünde wurden in die Hitlerjugend eingegliedert oder lösten sich vorher auf, um einer Eingliederung zu entgehen; vereinzelt wurden jedoch trotz Verbot heimlich Lager veranstaltet und auf Fahrt gegangen; manche Gruppierungen, die zur bündischen Jugend gezählt werden, waren im Widerstand gegen das national-sozialistische Regime. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges bildeten sich im westlichen Teil des geteilten Deutschlands wieder Pfadfindergruppen. Neben den konfessionellen Verbänden Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) und Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) entstand nun der Bund Deutscher Pfadfinder (BDP). Aufgrund zunehmender politischer Aktivitäten des BDP spalteten sich um 1970 zwei Verbände vom BDP ab, nämlich der Deutsche Pfadfinder Verband (DPV) sowie der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP). Die Bünde bzw. Verbände BdP, VCP und DPSG bilden heute den „Ring deutscher Pfadfinderverbände“, welcher im internationalen Dachverband WOSM Mitglied ist. In Deutschland gibt es heute ungefähr 250.000 bis 300.000 aktive Pfadfinder.

 

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„Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht.
Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt.“

aus: Baden Powells Abschiedsbrief an die Pfadfinder der Welt