Geschichte des Pfadfinderbund Horizonte

Ein Bund in Bewegung

Unser Bund wurde als „Pfadfinderbund Südlegion” (PBSL) im Jahre 1968 als technisch orientierter Pfadfinderbund während einer Skandinavienfahrt gegründet. Ziel der Gründer war es, einen Bund zu schaffen, der nicht bündisch orientiert war, sondern sich am angelsächsischen Pfadfindertum orientierte und der sich von den anderen Bünden darin unterschied, dass viel Wert auf technische und handwerkliche Fähigkeiten gelegt wurde. Spezialkurse wie Kfz-technik, Fotografie, Funk- und Fernmeldetechnik, Elektrizität, Pionier und Erste Hilfe und ihre Spezialabzeichen waren ein wichtiger Bestandteil des Bundeslebens.

Der Bund war straff organisiert, Schulterklappen, Führerkordeln, Spezial- und Ehrenabzeichen waren der Traum jedes Wölflings. Statt in Stämme war der Bund in Trupps mit Truppnummern untergliedert. Jungen- und Mädchentrupps waren getrennt, die Probenarbeit war sehr ausgeprägt. So gab es für Mädchen andere Bundesabzeichen als für Jungen, für Jungpfadfinder andere als für Rover etc. Noch heute hat jede Stufe ein eigenes Halstuch.
Bekannt wurde unser Bund wohl vor allem durch unseren „Fuhrpark”, jene ockergelben Gerätewagen, die auf keinem Lager fehlen durften und Funkgeräte, Feldtelefone, Motorsägen und jede Menge technisches Werkzeug beinhalteten. So gehörten auch große Lagerbauten zu unserer Spezialität; Plateaukohten, Lagertürme und -tore, Fahnenmasten und Jurtenburgen. Dass wir regelmäßig beim Jamboree on the air dabei waren, versteht sich da von selbst. Auch den Lagertrompeter, der zum Wecken, Sammeln, Essen und den Zapfenstreich spielt, haben wir bis heute.

1984 wurde der PBSL in den DPV aufgenommen. Die dort geknüpften Kontakte und gemeinsamen Lager gingen nicht so ohne weiteres an ihm vorbei und prägten die weitere Entwicklung des Bundes. Singen wurde wichtiger Bestandteil und mit der Bundesgroßfahrt ITALIA90 bekam die Großfahrt ihren Platz neben den Standlagern. Die Bundesführung wechselte, ein einheitliches Bundesabzeichen wurde eingeführt, das Pfadfindergesetz und unser Pfadfinderhandbuch wurden überarbeitet, ebenso die gesamte Probenarbeit. Unsere Bundeszeitung wurde von „Patrouille” in „PfaZ” (PfadfinderZeitung) umbenannt. Eine der wichtigsten Änderungen war mit Sicherheit die Einführung des Stammessystems anstelle des Truppsystems nach einem Probelauf in Ravensburg/Weingarten. Mit der alten Bundesführung verschwanden auch die ockergelben Gerätewagen und die Spezialkurse traten in den Hintergrund, Alexzelte wurden von Kohten verdrängt. Durch bündische Einflüsse verlor der PBSL viel von seinem militärischen Charakter. In diese Epoche fallen neben vielen Auslandsgroßfahrten (Schweden, Ägypten, Ungarn, Frankreich) auch mehrere Zirkusgroßfahrten in die Schweiz. Viele Impulse für die Zukunft gab auch die Stammesführungsschulung „Horizonte”.

Ein neuer Name

Ein weiterer zentraler Schritt in der Entwicklung unseres Bundes war eine andere ganz sichtbare Veränderung: Wir änderten unseren Bundesnamen von Pfadfinderbund Südlegion in Pfadfinderbund Horizonte. Die Gründe dafür waren vielfältig. Zum einen störte uns die ständige Verwechslung mit dem Pfadfinderbund Süd, einem wegen Verbreitung von rechtsradikalem Gedankengut angeklagten und in die Schlagzeilen geratenen Pfadfinderbund aus Süddeutschland. Zum anderen hatte der Namensteil „Südlegion” für Außenstehende immer schon einen militärischen Charakter. Da wir nicht immer die Möglichkeit hatten, die Herkunft dieses Namens aus einer bündischen Widerstandsgruppe zur Zeit des Nationalsozialismus zu erklären, konnten wir das Vorurteil des Militärischen leider auch nicht immer ganz ausräumen. Schließlich hatten wir aber zu dieser Widerstandsgruppe nie einen richtigen Bezug, unsere Gründer hatten den Namen lediglich wegen eines Liederbuches (den Liedern der Südlegion) gewählt. Die neue Generation an Leitern entschloss sich somit, diesen schon oft diskutierten Schritt zu gehen. Mit unserem Namen verbinden wir den Blick nach vorne, Vielfalt und Offenheit für Neues. Ein neues Bundesabzeichen folgte. Schon lange hatten wir jedes Jahr einen Sippenwettstreit, zu dem auch ein Singeposten gehörte. Aus diesem entwickelte sich nach und nach ein Singewettstreit, der immer wichtiger wurde. So bekam das Singen eine weitere Qualität und es trauten sich in den vergangenen Jahren immer wieder Gruppen unseres Bundes zum Hamburger Singewettstreit.

Jüngste Entwicklungen

Unser Bundesleben in den vergangenen Jahren war auch von einem lebendigen Austausch mit anderen Bünden des DPV geprägt. Neben dem Pfilapolis-Lager 2005 mit der Pfadfinderschaft Süddeutschland (PSD) sowie Avalon 2009 mit der PSD und der Pfadfinderschaft Grenzland veranstalteten wir „Südbünde“ gemeinsame Gruppenleiterseminare und die Grenzländer waren von 2004 bis 2010 als gern gesehene Gäste auf unseren Schulungen mit dabei. Auch das Engagement unseres Bundes bei Veranstaltungen des DPV nahm in den vergangenen Jahren zu. So waren und sind Mitglieder des Pfadfinderbund Horizonte maßgeblich an der Organisation von DPV-Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Rotenburger Seminar oder dem DPV-Verbandslager „Allerhand“, beteiligt.
Besonders bedeutend war in den vergangenen Jahren das Jubiläumspfingstlager zum 40-jährigen bestehen unseres Bundes. Es bot einerseits die Gelegenheit, miteinander auf die vielseitige Geschichte unseres Bundes zurückzublicken, den Bund in seiner aktuellen Vielfalt und Lebendigkeit wahrzunehmen und auch gemeinsam voller Erwartung und Vorfreude den Blick auf das Kommende zu richten. Andererseits war es auch einfach bewegend, im großen Kreise diesen schönen Anlass gebührend zu feiern. Auf dem Jubiläumslager wurde unser Bundeslied „Horizonte weiten sich“ zum ersten Mal gesungen.
Seit einigen Jahren können wir uns wieder über steigende Mitgliederzahlen in unseren Stämmen freuen. Beim Pfingstlager 2014 in Ravensburg wurde diese Entwicklung sehr deutlich für den ganzen Bund erlebbar. Mit über 260 Teilnehmern setzte das Lager neue Maßstäbe in Sachen Lagergröße des Pfadfinderbund Horizonte.  Für alle verantwortlichen Leiter ist dies eine schöne und motivierende Bestätigung ihres Engagements in der Jugendarbeit.

 

 

Horizontal

„Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht.
Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt.“

aus: Baden Powells Abschiedsbrief an die Pfadfinder der Welt